Christliches Leben in der Nachfolge Jesu

Christliches Leben in der Nachfolge Jesu: Rechtfertigung und Heiligung

Martin Luther fand die Antwort auf die Frage nach dem gnädigen Gott im Kloster als angefochtener Mönch. „Ich kann mir die Gnade Gottes nicht erringen durch Buße, durch eigene Werke. Gott schenkt sie mir allein aus Gnade, ich nehme sie an allein im Glauben.“

Johannes Calvin war Pfarrer einer Gemeinde von Flüchtlingen in Genf und musste ihnen Halt geben, sich in der neuen Heimatgemeinde zurechtzufinden. Ihm lag sehr an der Frage: „wie kann ich als gerechtfertigter Mensch nun mein Leben auch in der Gemeinde und in der Gesellschaft gestalten?“ Zur Rechtfertigung trat die Heiligung des Lebens. Die Zehn Gebote bekamen ihre Wichtigkeit nicht nur als Sündenspiegel, an denen Christen ablesen können, wo sie sich verfehlt haben, sondern mehr noch als Weisung und ethische Regel für die Durchführung ihres christliches Lebens. Der Heidelberger Katechismus gibt mir auch ein sehr positives Motiv an, nach dem ich als Christ handeln kann: Nicht nur aus Gehorsam meinem Schöpfer und Erlöser gegenüber, sondern aus Dankbarkeit lebe ich so, wie er es will, in der Nachfolge Jesu, in der Verantwortung allen Tuns Gott gegenüber.

Reformiertes Christsein bejaht darum in besonderer Weise Beteiligung im gesellschaftlichen Leben. Gemeinwohl geht über das Interesse des Einzelnen hinaus. Seit den Genfer Tagen Calvins mussten sich die reformierten Christen als Flüchtlinge oder als Minderheit in ihrer kirchlichen und gesellschaftlichen Umwelt behaupten und darum auch besondere kritische Verantwortung wahrnehmen.

So waren es besonders reformierte Kirchenleute, die in den Barmer Thesen 1934  sich gegen den Übergriff der nationalsozialistischen Ideologie auf die Kirche erklärt haben. Die Apartheit in Südafrika und ihre theologische Rechtfertigung, die der schwarzen Bevölkerung die gleichen Rechte wie der weißen vorenthielt, wurde vom reformierten Weltbund geächtet. Ähnliches strebt der Weltbund auch an in der Frage der ungerechten Verteilung des Reichtums auf der Erde. Es soll nicht eine Frage des politischen Ermessens sein, sondern eine Glaubensfrage. Wer Christ ist, darf sich an dieser Ungerechtigkeit nicht beteiligen.

In Deutschland hatte sich der Reformierte Bund besonders radikal gegen die Atombewaffnung gestellt. Neuerdings ist er als erster christlicher Zusammenschluss dem globalisierungskritischen Attac beigetreten, einer Vereinigung, die sich um Gerechtigkeit und Solidarität in den Finanzen, und in der Wirtschaft bemüht.

So verstehen gerade die reformierten Christen ihre Verpflichtung auch in der Gesellschaft als Aktivität derer, die als Gerechtfertigte ihr Leben in den Dienst Heiligung stellen.