28.03.2026
Gemeindewanderung am Grünen Band im Harz vom 28. bis 30. August 2026
Fast 40 Jahre lang trennte der „Eiserne Vorhang“ die Menschen in Ost und West – in Deutschland und Europa. Zäune, Mauern, Stacheldraht, Minen und Soldaten auf Wachtürmen machten die innerdeutsche Grenze schier unüberwindbar. Zugleich fanden viele Tier- und Pflanzenarten in dieser gesperrten und menschenarmen Zone einen neuen Lebensraum. Heute ist der einstige Todesstreifen zur Lebenslinie geworden – zum „Grünen Band“. Es schützt das dort entstandene einzigartige Ökosystem und bewahrt zugleich die Erinnerung an diese unmenschliche Grenze. Vom 28. bis 30. August 2026 gibt es die Gelegenheit, zusammen mit den anderen Gemeinden des reformierten Kirchenkreises eine Wanderung am Grünen Band in der Harzregion zu unternehmen.
Am ersten Tag startet die Wanderung in Sorge. Wir laufen durch das Freilandgrenzmuseum mit vielen Relikten der ehemaligen Grenzanlagen (Zäune, Grenzturm, Bunker u.a.) zum Kunstprojekt „Ring der Erinnerung“ und schließlich auf dem Kolonnenweg bis nach Hohegeiß in Niedersachsen. Der Brocken wartet am zweiten Tag auf uns. Wir besteigen ihn von der Westseite her und informieren uns im Brockenhaus auf dem Gipfel über die Flora und Fauna im Nationalpark Harz, aber auch über die Geschichte des Sperrgebietes auf dem Brocken. Der Abstieg erfolgt dann nach Schierke auf der Südostseite. Die Wanderung am dritten Tag startet am Jungborn in Stapelburg, der einst berühmten Naturheilanstalt, in der schon Franz Kafka zu Gast war. Die Anstalt wurde im Zuge des Grenzausbaus komplett geschleift. Von hier wandern wir zunächst in das Dorf Stapelburg, das unmittelbar an der Grenze lag und ein beliebter Hotspot des bundesdeutschen Grenztourismus war. Hier fand am 11.11.1989 der erste „Mauerfall“ an der innerdeutschen Grenze statt. Von dort geht es in das Mühlendorf Abbenrode, wo wir mit einem Gottesdienst in der einzigen Kirche mit einem Fensterbild zur Grenzöffnung das Wanderwochenende beschließen.
Auf den Wanderungen begleiten uns verschiedene Zeitzeugen, die an der Grenze gelebt und gearbeitet haben. Sie werden uns aus ihrem Leben, aber auch Geschichten von Fluchten, von Zwangsaussiedlungen und von Todesfällen an der Grenze erzählen. Familie Pulst aus Halle wird uns zum Einstieg von ihren vielen Wanderungen entlang des Grünen Bandes berichten. Und am Samstagabend werde ich mit vielen Fotos und Filmen über meine Forschungen und Gespräche zum Grenzort Stapelburg vortragen.
Im kirchlichen Cyriakushaus in Gernrode werden wir in den zwei Nächten Quartier und Vollverpflegung finden. Am Freitagabend ist ein Kennenlernen beim Grillen geplant. Ein Bus bringt uns jeweils zu den Startorten und fährt uns nach unseren Wanderungen nach Gernrode zurück. Der Bus wird uns am Freitagvormittag voraussichtlich in Halberstadt einsammeln und am Sonntagabend auch wieder dort entlassen. Die genaue Selbstbeteiligung steht noch nicht fest, doch im Moment rechne ich mit einer Teilnahmegebühr von 150 EUR für Erwachsene und 100 EUR für Kinder. Darin wären die Übernachtungsgebühren mit Vollverpflegung, die Busfahrtkosten sowie die Eintrittsgelder und Honorare enthalten. Die Wanderstrecken betragen etwa 10 bis 15 km pro Tag, im gebirgigen und nicht barrierefreien Terrain. Anmeldungen bitte bei Manuela Fehr im Büro der Domgemeinde in Halle (Tel: 0345 20 213 79 oder E-Mail: kontakt@ekm-reformiert.de). Die Teilnahme ist auf ca. 30 Personen beschränkt.
Justus Vesting, Halle