12.05.2024
Literaturabende im Domgarten am 25. Juni und 2. Juli 2024 um 19 Uhr

Herzliche Einladung zu den Literaturabenden im Domgarten! Eine Kooperation mit dem Literaturhaus Halle. Der Eintritt ist frei.  

Di., 25. Juni, 19 Uhr
AUFHORCHEN! Balsam für die deutsche Seele. Die Wiederentdeckung der Händel-Opern vor hundert Jahren (BR 2020).
1920: Der erste Weltkrieg war gerade vorbei, der deutsche Kaiser geflohen, die junge Republik sofort in Kämpfe verstrickt – da begann auch eine Zeit des kulturellen Aufbruchs. Und so wie das Bauhaus in Weimar für Avantgarde, neue Sachlichkeit und Moderne steht, kann man in der damals beginnenden Händel-Renaissance einen Ausdruck konservativer und deutsch-nationaler Sehnsucht sehen. Der Kunstwissenschaftler Oskar Hagen war es, der nach Inspirationen aus Händels Geburtsstadt Halle das Wagnis einging, in Göttingen eine szenische Aufführung der „Rodelinde“ erstmals nach mehr als 170 Jahren wieder auf eine Bühne zu bringen. Der riesige Erfolg seiner Opernbearbeitungen begründet sich auch in der völkischen Aufladung Händels, die ein Identifikationsangebot lieferte für alle, die erschüttert waren über den verlorenen Krieg und wütend auf die neue Zeit. Die Interpretation der Werke des „Royal Composer“ als eigentlich urdeutsche Musik, die das deutsche Wesen sehr gut ausdrückt – das war Teil von Hagens geschicktem Marketing. Das blieb nicht folgenlos für die Göttinger Händelfestspiele und für die Händelrezeption bis heute. Moderation: Tobias Barth

Di., 2. Juli, 19 Uhr
AUFHORCHEN! Der Theatermacher Ulrich Plenzdorf und sein Held Held Edgar Wibeau (MDR 2002). Mit Dieter Mann, Reinhard Straube, Klaus Hoffmann, Jutta Wachowiak u.a.
Am 18. Mai 1972 gelangte „Die neuen Leiden des jungen W.“ von Ulrich Plenzdorf am Landestheater Halle zur Uraufführung. Das Stück um Liebe, Scheitern und Tod eines rebellischen Jugendlichen löste Begeisterungsstürme aus. Wie kein zweites schien es geeignet, ein Schlaglicht auf das Spannungsfeld von Kunst und Politik in der DDR zu werfen und avancierte in kurzer Zeit zum meistgespielten Theaterstück auf ostdeutschen Bühnen. Der Szenarrist Plenzdorf hatte den Text ursprünglich (1969) als Filmszenario angelegt, und so waren Theater- und Prosafassung eigentlich nur Vehikel, die den Film gegen die Politbürokratie durchsetzen sollten. Aus politischen Gründen durfte Plenzdorfs Werk nicht von der DEFA verfilmt werden. Die Debatten um das Stück arteten in einen regelrechten „Kulturkampf“ aus. Das Feature lässt Zeitzeugen zu Wort kommen: Zuschauer und Akteure der Hallenser Uraufführung. Zitate aus der Akademie-Debatte und Leserbriefe aus „Sinn und Form“ liefern den authentischen Hintergrund, der durch Recherchen in Akten des Bundesarchivs und der Birthler-Behörde ergänzt wird. Und natürlich wird Ulrich Plenzdorf zu hören sein und Ausschnitte aus seinem Text, der nach 30 Jahren noch immer frisch wirkt und durch seine wunderbare Leichtigkeit besticht. Moderation: Tobias Barth