Geschichte

Im Stadtbild von Halle fällt der Dom durch seinen Kranz von Rundbogengiebeln auf. Von den Türmen der Marktkirche her betrachtet wirkt er wie ein Schatzkästchen im Häusermeer der Altstadt. Wahrscheinlich hat Kardinal Albrecht von Brandenburg diese Wirkung beabsichtigt, als er die ehemalige dominikanische Klosterkirche zu seiner Stiftskirche umbauen ließ. Die Dominikaner hatten die dreischiffige  Klosterkirche von 1271 an am westlichen Rand der Altstadt von Halle  errichtet.

Wie in den Kirchen des Predigerordens allgemein, so legten die Dominikaner Wert auf eine gute Akustik des Raumes. Für den Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches, Kardinal Albrecht von Brandenburg, war die Dominikanerkirche der geeignete Ort, um dort seine berühmte Reliquiensammlung unterzubringen. Der Dom zu Halle, wie er später genannt wurde, sollte das Zentrum einer katholischen Universität werden, die Albrecht mit päpstlicher Genehmigung zu errichten beabsichtigte. Entsprechend war die Ausstattung der Kirche. Die berühmtesten Maler der Zeit waren an ihrer Ausgestaltung beteiligt. Altarbilder von Lukas Cranach, Albrecht Dürer und Matthias Grünewald schmückten den Raum. Aus dem Rheinland stammen die  16 Figuren des Apostelzyklus an den Pfeilern. Die noch vorhandene Kanzel  stammt ebenfalls aus der Zeit Albrechts von Brandenburg. Sie zeigt ein durchdachtes biblisch-theologisches Programm von biblischen Autoren und Kirchenvätern.
Im Jahr 1541 musste Albrecht Halle verlassen: die Reformation hat sich gegen seinen Willen und Widerstand durchgesetzt. Er nahm mit, was nicht niet- und nagelfest war. Die noch erhaltenen Kunstwerke finden sich heute vor allem in bayerischen Museen.

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Nach der Zeit Kardinal Albrechts blieb der Dom ungenutzt bis er gegen Ende des 16. Jahrhunderts zur Hofkirche der Administratoren wurde, der weltlichen, evangelischen Regenten des Herzogtums Magdeburg. Vor allem August von Weißenfels  (1614-1680) hinterließ seine Spuren in der Gestaltung der Domkirche. Auf ihn gehen der barocke Altar und die Emporen der Kirche zurück. In seiner Zeit musizierten Samuel Scheidt und wohl auch Heinrich Schütz in der Hallenser Schloß- und Domkiche.

Mit dem Tod Augusts kam die Kirche wie das gesamte Herzogtum Magdeburg an die Kurfürsten von Bandenburg. Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst überließ sie neben der lutherischen Hofgemeinde der deutsch-reformierten Gemeinde und der Hugenottengemeinde als Gottesdienststätte. Seit 1688 hält die reformierte Domgemeinde hier ihre Gottesdienste. In den Jahren 1702-1703 war der junge Georg Friedrich Händel ihr Organist.

In diese Zeit gehört das Wirken des Kanzlers der kurfürstlichen Regierung Gottfried von Jena (1624-1703), dessen Grabmal an der Nordwand des Domes zu sehen ist. Als Gemeindeglied und Unterstützer der Gemeinde stiftete er einen nicht unwesentlichen Betrag für das „Hospital zur christlichen Liebe“, wo kranke und verwahrloste Kinder aufgenommen wurden. Das Hospital wurde 1813 nicht mehr benötigt und verkauft. Von Jenas Wappen zierte später das nach ihm benannte Jena-Stift für alleinstehende adlige Damen, dem er kurz vor seinem Tode sein Wohnhaus zusammen mit einem Kapital von 60.000 Talern widmete.

Die Reformierten nahmen im Innern der Kirche kaum Veränderungen vor. Die alte Förner-Orgel ersetzten sie jedoch 1851 durch den Neubau einer Orgel von Vater und Sohn Wäldner. 2017 wurde die Wäldner-Orgel durch die Firma Wegscheider (Dresden) restauriert.

Für das Innere der Kirche war lange Zeit die Oettgen-Fassung der Restaurierungen im Jahre 1907-11 prägend. In den 1950er Jahren wurde die Oettgen-Fassung entfernt und durch die Farbgebung ersetzt, die noch heute sichtbar ist. Schäden im Dach führten seit Mitte dieser Zeit zu Wassereinbrüchen, ferner griff die wegen der rasanten Industrialisierung verschmutzte Luft das Mauerwerk stark an. Spätestens in den 80er Jahren war der stetige Verfall für jeden sichtbar. Zerbrochene Fenster konnten nicht nachhaltig repariert werden. Tauben nisteten in den Orgelpfeifen, und das ganze Gebäude war einsturzgefährdet, so dass es zeitweilig gesperrt werden musste. Dank der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Stiftung Umweltschutz und vor allem der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, die in der Rechtsnachfolge des preußischen Staates seit 1996 Eigentümerin des Domes geworden war, ist es gelungen, die Kirche wieder nutzbar zu machen. Im Jahr 2004 erhielt der Innenraum nach dem Vorbild der sandfarbenen Konzeption der Restaurierung von 1955 wieder eine solche freundlich-helle Farbfassung. Das Chorgestühl wurde 2015, der Altar wiederum 2020 restauriert.