Wäldnerorgel

201812 - 1 Orgel fertig Jutta NoetzelDie Wäldner-Orgel im Dom zu Halle

erbaut 1847-1851 von den Halleschen Orgelbauern Friedrich Wilhelm Wäldner und August Ferdinand Wäldner (Sohn), Werkstatt in der Großen Klausstraße 15

1922 neue Prospektpfeifen und Zungenregister (Rühlmann)

1946, 1956, 1972 Umdisponierungen im neobarocken Sinne

2017-2018 Restaurierung und Rekonstruktion auf die ursprüngliche Disposition durch die Orgelbauwerkstatt Wegscheider (Dresden), Wiedereinweihung 24.12.2018

HAUPTWERK (C – f´´´)

Principal 16’

Principal 8’

Viola di Gamba 8’

Hohlflöte 8’

Rohrflöte 8’

Gedacktquinte 5 1/3’

Principal 4’

Rohrflöte 4’

Quinte 2 2/3’

Principal 2’

Mixtur 4fach

Cornet 3-4fach

Trompete 8’

OBERWERK (C – f´´´)

Bordun 16’

Geigen-Principal 8´

Salicional 8’

Gedackt 8’

Flauto traverso 8’

Flauto amabile 4’

Geigen-Principal 4’

Salicional 4’

Gedackt 4’

Spitzflöte 2’

Scharf 4fach

PEDALWERK (C – d´)

Untersatz 32’

Principalbaß 16’

Violonbaß 16’

Subbaß 16’

Rohrquinte 10 2/3’

Gedaktbaß 8’

Principalbaß 8’

Principalbaß 4’

Posaune 16’  (durchschlagend)

NEBENZÜGE

Manualcoppel

Pedalcoppel

Ventil zum Hauptwerk

Ventil zum Oberwerk

Ventil zum Pedal

Calcantenklingel

 

Winddruck:

Manuale 77 mmWS

Pedal 96 mmWS

 

Stimmtonhöhe:

444 Hz bei 17,7°C

Temperatur: „Schwerin“

A

B

H

C

0,0

1,5

-1,0

1,5

Cs

D

Ds

E

0,0

0,5

1,0

-0,5

F

Fs

G

Gs

2,0

-0,5

1,0

0,5

 

ORGELFESTJAHR 2019

Die älteste Großorgel in Halle, die Wäldnerorgel im Dom, erklang am Heiligen Abend, 24.12.2018 um 17 Uhr zur Christvesper erstmalig nach langer Planungs- und Restaurierungsarbeit! Firma Wegscheider aus Dresden und die hallesche Restauratorin Kerstin Klein haben in unserer Stadt eine wirkliche Rarität wieder in den ursprünglichen Zustand von 1851 versetzen können, so wie sie damals der namhafte Organist und Komponist August Gottfried Ritter (1811-1885) gedacht hat.

Dank vieler Spenden, der Unterstützung durch die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und der finanziellen Unterstützung durch Mittel des Bundeshaushaltes (BKM-Programm), des Kirchenkreises Halle-Saalkreis, der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, der Saalesparkasse, der Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz GmbH/ Matthias Lux und der organisatorischen Unterstützung vieler ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer konnte das 600.000 Euro schwere Projekt umgesetzt werden. Besonders dankbar ist die Domgemeinde für die jahreslangen großzügigen Spenden der Familie des Wäldner-Nachkommens Dr. med. Friedhelm Raue aus Heidelberg.

Orgelfestjahr webAm letzten Juniwochenende 2019 fand ein großes Festwochenende mit einem Festgottesdienst und vielen Konzerten statt. Die Finanzierung dieses Kulturfestes haben ebenfalls die Familie Raue aus Heidelberg und die Stadt Halle maßgeblich unterstützt.

Seitdem findet immer sonntags eine ORGELFESTKONZERTREIHE statt:

Juli bis September | sonntags | 16 Uhr | Dom zu Halle

7. Juli | Martin Stephan (Langenhorn)
14. Juli | Martin Rein (Wollongong, Australien)
21. Juli | KMD Matthias Dreißig (Erfurt)
28. Juli | Orgel & Mundharmonika | Maria Wolfsberger (Leipzig) und Gerhard Noetzel
4. August | KMD Irénée Peyrot (Halle)
11. August | KMD Matthias Böhlert (Salzwedel)
18. August | Maik Gruchenberg (Halle)
25. August | Orgel & Gesang | Jutta Noetzel (Sopran) und Gerhard Noetzel (Orgel)
1. September | Ekaterina Leontjewa (Halle)
8. September | Kinderorgelkonzert „Josef und seine Brüder“ mit Jutta und Gerhard Noetzel 
15. September | KMD Thomas Ennenbach (Eisleben)
22. September | Lukas Storch (Neustrelitz)
29. September | Violine & Orgel | Johanna Lauber (Halle) und Gerhard Noetzel

Alle Konzerte werden ohne Eintrittskarten durch Spenden finanziert, die am Ausgang erbeten werden. Weitere Details folgen bald in einem Flyer.

 

Pressefoto_04_05_2017-Matthias-Waschitschka

Orgelförderkreis der Domgemeinde mit Unterstützer Dr. Christoph Bergner (rechts außen), Orgelbaumeister Kristian Wegscheider (in der Mitte) und Musikproduzenten Michael Wünsche (3. v. l.) Foto: Matthias Waschitschka

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

CD zum Restaurierungsprojekt „Wäldner-Orgel im Dom zu Halle“

Hier erhältlich

 

Zur Internetseite „Die Orgelbauerfamilie Wäldner – Leben und Werk“

 

 

Bilder zum Restaurierung aus dem Jahr 2018

 

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neu konstruierte Bälgekammer mit 5 historisch nachgebauten Einfalten-Bälgen (Foto: Orgelwerkstatt Wegscheider)

Windladenrestaurierung

Restaurierung der Windladen in der Orgelwerkstatt in Dresden (Foto: Orgelwerkstatt Wegscheider)

Restaurierte und ergänzte Pfeifen

Restaurierte und ergänzte Pfeifen des Registers Mixtur 4fach (Foto: Orgelwerkstatt Wegscheider)

Gehaeuserestaurierungskonzeptvorstellung 02 (Gerhard Noetzels in Konflikt stehende Kopie 2018-08-10)

Vorstellung des Gehäuserestaurierungskonzepts (links: ursprüngliche Originalfassung, rechts: Oetken-Fassung von 1907)

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Die ersten neuen Prospektpfeifen stehen wieder im fertiggestellten Gehäuse (Mitte September 2018)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pressestimmen:

Städtische Zeitung

kulturfalter.de

Glaube & Heimat

 

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Zur Geschichte der Orgel
1688 richtete der „Große Kurfürst“ Friedrich Wilhelm von Brandenburg an der Schloss- und Domkirche zu Halle für Flüchtlinge aus der Pfalz den deutschen reformierten Gottesdienst ein. Nach und nach sammelte sich eine kleine reformierte Gemeinde, in der auch der junge Georg Friedrich Händel 1702/1703 als Organist an der 1667 erbauten barocken Orgel von Christian Förner spielte. Nachdem diese Orgel des Wettiner Orgelbaumeisters den Anforderungen nicht mehr genügte, beauftragte die reformierte Domkirchengemeinde in der Mitte des 19. Jahrhunderts Friedrich Wäldner aus Halle mit dem Bau einer neuen Domorgel.

Friedrich Wilhelm Wäldner (geb. 1785 in Olbersleben – gest. 1852 in Halle/S.) führte eine Orgelbauwerkstatt in Halle und besaß seit 1815 das hallesche Bürgerrecht. Er baute zahlreiche Orgeln in der näheren Umgebung Halles, die teilweise noch vorhanden sind, die Domorgel aber wurde seine größte. Für das 19. Jahrhundert sind Wäldner-Orgeln in ihrer klassischen Bauweise die bedeutendsten dieser Region neben den Orgeln Friedrich Ladegasts, die sich überwiegend im Merseburger und Weißenfelser Raum vorfinden. Sein Sohn, August Ferdinand Wäldner (1817-1905), führte die Orgelbauwerkstatt seines Vaters fort. Der Vertrag über die Domorgel, der 1847 von Vater und Sohn Wäldner unterzeichnet wurde, sah die Fertigstellung für 1849 vor. Der Abschluß der Bauarbeiten verzögerte sich infolge der Kränklichkeit des alten Wäldner, aber auch dadurch, dass 1848 einige der tüchtigsten Arbeiter zum Militärdienst eingezogen wurden. So war der Neubau erst am 14. April 1851 abgeschlossen.

August Gottfried Ritter (1811-1885), einer der erfolgreichsten Organisten seiner Zeit in Magdeburg, Merseburg und Erfurt und Komponist diverser Orgelwerke stellte die Disposition auf, die Wäldner umsetzte.

Am 22. Mai 1851 wurde die neue Orgel von Ritter einer Prüfung unterworfen mit folgendem Urteil:
„Ich muß die vom Herrn Orgelbaumeister Wäldner gebaute Orgel für ein wohlgelungenes, in einzelnen Parthien sogar für ein vorzügliches Werk erklären. Der Ton der einzelnen Stimmen ist ihrem Charakter angemessen und gleichmäßig; der Klang des vollen Werkes kräftig und glänzend, dabei der Kirche angemessen und das Einzelne zu einem Ganzen in Wahrheit vereinigend. — Die technische Arbeit macht den Eindruck des Soliden. Die innere Einrichtung zeigt von der Einsicht wie von der Geschicklichkeit des Erbauers.“
Zur Orgel gehörten fünf Bälge, die in der Bälgekammer unter der Orgelempore aufgestellt wurden. Die Orgel wurde laut einer Kgl. Verfügung von 1845 in den Kammerton der preußischen Hofkapelle gestimmt. Die durchweg traditionelle Bauweise, bestehend in mechanischer Schleiflade und mechanischem Registerwerk, gibt der – im Verhältnis zum großen Kirchenraum – bescheidenen mittelgroßen Orgel von 33 klingenden Registern einen grundsoliden und robusten Charakter, der sie wesentlich unanfällig gegenüber technischen Störungen macht. Sie weist noch keine der für das 19. Jahrhundert typischen neuen technischen Erfindungen auf, die den Orgelbau in Deutschland in der weiteren Entwicklung grundlegend und um 1910 krisenhaft veränderten.

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Umbau der Orgel
Bis 1911, als das Register Salicional 8’ durch eine Aeoline 8’ und wahrscheinlich auch zur selben Zeit die Trompete und die Posaune durch entsprechende neue Register von dem Orgelbauer Wilhelm Rühlmann ausgewechselt wurden, blieb die Domorgel unverändert. 1917 mussten die Prospektpfeifen, wie überall sonst in Deutschland, für Kriegszwecke abgeliefert werden und wurden 1922 durch glanzlose Zinkpfeifen von Rühlmann ersetzt.
Nach 1935, einer Zeit, als die Orgelbewegung mit ihren antiromantischen Affekten vorherrschte, wurde der Ruf nach einer neuen Orgel laut. Ein umfangreicher Aktenbefund liegt darüber im Domarchiv vor. Der Zustand der Wäldner-Orgel wird als „unbeschreiblich schlecht” bezeichnet. Die Möglichkeit eines Neubaus wurde aber aus finanziellen Gründen wieder verworfen, und es wurden die Orgelbaufirmen Rühlmann, Sauer, Hammer und Kemper um Besuch gebeten und Kostenvoranschläge von ihnen für einen Umbau angefordert. Darin werden weitgehende Veränderungen unterbreitet, unter denen – für diese Zeit selbstverständlich – ein elektrischer Spieltisch nicht fehlt. Weitere Gutachten werden von damals bekannten Fachleuten angefordert. In allen Projekten geht es nicht nur um eine Umdisponierung, wie sie in jenen und den folgenden Jahren sehr verbreitet vorgenommen wurde, sondern um eine umfassende Erweiterung der Domorgel auf drei Manuale durch Zusatz eines Rückpositivs in die Emporenbrüstung. Diese weit ausgreifenden Pläne, die bei einer Realisierung den Charakter der Wäldner-Orgel gänzlich verändert hätten, werden zwar bis zum Ausbruch des Krieges 1939 weiter diskutiert, schließlich aber resigniert auf Eis gelegt bis zur Beendigung des Krieges.
1946 wurde die Angelegenheit wieder aufgegriffen, wobei aber alle kostenaufwendigen großen Projekte – als unausführbar – völlig fallengelassen wurden. Von da an bis 1956 wurden Eingriffe in die Disposition der Orgel vorgenommen mit der Absicht, dieser romantischen Orgel barocke Klangeigenschaften zu verschaffen, wie sie der Zeitgeist verlangte. Dabei wurden nicht nur originale Pfeifenreihen von Wäldner umgebaut oder entfernt und durch neue ersetzt, sondern etliche wurden zwischen Hauptwerk und Oberwerk lediglich ausgewechselt und umbenannt. Außerdem wurde der Pedalumfang erweitert, was den Einbau einer anderen Pedalklaviatur und zusätzlicher Pfeifen erforderlich machte. Weil an einen Neubau der Pedalwindladen nicht zu denken war, wurden die zusätzlichen Pfeifen auf problematische Weise zwischen die originalen Pfeifen gedrängt.
Da aber alle diese durch die Ideologie der Orgelbewegung inspirierten Umbauten, die zudem auf eine nicht handwerksgemäße, sondern auf dilettantische Art vorgenommen wurden, klanglich höchst unbefriedigend ausfielen, sollen die Veränderungen, die zum Überfluss noch 1972 mit zwei Registern fortgesetzt wurden, für die Zukunft nicht konserviert werden. Das im 20. Jahrhundert angestrebte Ideal einer Orgel, auf der man Orgelliteratur aus „allen Jahrhunderten” spielen könne, kann heute nicht mehr aufrecht erhalten bleiben. Da sich im Laufe der Zeit zudem Schäden an der Orgel durch normalen Verschleiß, Feuchtigkeit, Verschmutzung und andere Ursachen eingestellt haben, ist seit längerem ein Zustand erreicht, der die Orgel kaum noch spielbar bleiben lässt, der aber dringend einer Restaurierung bedarf.

Die Disposition der Domorgel seit 1972

HAUPTWERK
Prästant 16’
Prinzipal 8’
Gamba 8’
Rohrflöte 8’
Oktave 4’
Kleingedackt 4’
Quinte 2 2/3’
Oktave 2’
Spitzflöte 2’
Terz 1 3/5’
Buntzimbel 3fach
Mixtur 5fach
Trompete 8’
OBERWERK
Quintatön 16’
Hohlflöte 8’
Gedackt 8’
Engprinzipal 4’
Rohrflöte 4’
Holznasat 2 2/3’
Prinzipal 2’
Quinte 1 1/3’
Sifflöte 1’
Scharff 4fach
Krummhorn 8’
PEDAL
Prinzipalbaß 16’
Subbaß 16’
Oktavbaß 8’
Gedacktbaß 8’
Choralbaß 4’
Baßflöte 2’
Hintersatz 4fach
Posaune 16’
Rankett 16’

Die Nebenzüge blieben in ihren Funktionen unverändert. Ein zusätzlich eingebauter Tremulant für das Oberwerk hat offenbar noch nie funktioniert. Die ausgewechselte Pedalklaviatur verhindert, dass die Spielschranktüren vollständig geschlossen werden können. Die in die Registerzüge befestigten Schilder aus handbeschriftetem Porzellan wurden 1972 entfernt und durch Schilder aus Kunststoff ersetzt.

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Fotos: (C) 2016 Copyright by Klaus Bentele